"RETRIEVER WORKING TOUR"

                                                                                FCI REGLEMENT


FEDERATION CYNOLOGIQUE INTERNATIONALE (AISBL)
13, Place Albert 1er, B - 6530 Thuin (Belgique), tel : ++32.71.59.12.38, fax :++32.71.59.22.29, email : info@fci.be



Leitfaden für Internationale Working Tests für Retriever


1. Einleitung
    a)    Ein Working Test (WT) ist eine Prüfung, die dem Zweck dient, ohne Verwendung von Wild, die Arbeitsqualitäten der Retriever für ihre ursprüngliche Arbeit nach dem Schuss zu überprüfen.
    b)    Der Retriever ist der unentbehrliche Helfer des Jägers nach dem Schuss. Das Ziel eines WT ist es, die besten Hunde zu selektionieren, welche die wirkliche Neigung haben, geschossenes Wild aufzuspüren, ein gutes Temperament haben und retrieverspezifische Markierfähigkeiten, ihren Geruchssinn einsetzen, Initiative zeigen und mit weichem Maul apportieren.
    Einwirkungen des Hundeführers sollten nur als unentbehrliche Ergänzung dieser Eigenschaften betrachtet werden, um den Hund an seinem Platz oder beim Fußlaufen ruhig zu halten, oder damit er folgsam die Befehle ausführt und sich allenfalls einweisen lässt, wenn das Wild nicht sichtig gefallen ist.

2. Organisation
    a)    Der WT muss durch eine Person oder Personen mit Erfahrung der Retrieverarbeit im Jagdbetrieb ausgerichtet werden. Jeder Hund soll soweit als möglich die gleichen Chancen erhalten, damit der Faktor des Zufalls auf ein Minimum heruntergesetzt wird.
    b)    Die Organisatoren eines WT versuchen im Rahmen der Prüfung, Situationen eines Jagdtages zu simulieren. Sie müssen auch sicherstellen, dass die Tests so aufgestellt werden, dass gute jagdliche Hundearbeit gefördert wird und die Hunde nicht daran gehindert werden, ihre Markierfähigkeit oder ihre natürlichen Arbeitsanlagen zu zeigen. Beim Aufstellen von Schützen und Dummywerfern ist diesem Umstand unbedingt Rechnung zu tragen.
    c)    Während dem Apportieren darf vom Hund nicht verlangt werden, dass er zu nahe an einem anderen Apport vorbeilaufen muss.
    d)    Organisatoren und Richter müssen für die Sicherheit der Hunde besorgt sein und nicht von ihnen verlangen, dass sie gefährliche Hindernisse überwinden.

3. Durchführung des WT
    a)    Der Entscheid der Richter ist unanfechtbar. Teilnehmer sollen die Entscheidung des Richters nicht offen anfechten noch den Gastgeber, das Gelände oder die Helfer kritisieren.
    b)    Die Organisatoren haben die Befugnis, Hunde vom Wettkampf auszuschließen und/oder eine Einschreibung abzulehnen.
    c)    Die Organisation kann die Teilnehmerzahl beschränken, in welchem Falle die Teilnahme durch Auslosung entschieden wird.
    d)    Alle Richter müssen über Erfahrung mit der Retrieverarbeit im praktischen Jagdbetrieb verfügen.
    e)    Alle Hundeführer müssen sich an die Anweisungen der Richter halten. Die Richter sind berechtigt, jeden Hund von einem WT auszuschließen, dessen Hundeführer ihren Anweisungen nicht Folge leistet oder willentlich einen anderen Konkurrenten oder dessen Hund behindert.
    f)    Keine an einem WT anwesende Person darf es einer heißen Hündin erlauben, sich auf dem Prüfungsgelände des WT aufzuhalten oder irgendeinen Geländeabschnitt zu beeinträchtigen, der von den Wettkämpfern verwendet wird.
    g)    Kein Hund darf während der Arbeit eine Halsung tragen.
    h)    Keine Person hat das Recht, im Rahmen eines WTs einen Hund zu strafen oder hart zu behandeln. Ein solches Verhalten wird (nach Ermessen der Richter) mit Ausschluss bestraft.

4. Das Richten
    a)    Der Hundeführer meldet sich mit angeleintem Hund beim Richter, der dann erklären wird,  was erwartet wird. Die Richter stellen sicher, dass die Zuschauer einen vernünftigen Abstand zu den arbeitenden Hunden einhalten.
    b)    Die Richter werden Hunden jede Möglichkeit bieten, gute Arbeit zu leisten, indem sie dafür sorgen, dass die Bedingungen soweit als möglich zu Gunsten der Hunde sind. Sie werden insbesondere Leistungen jener Hunde anerkennen, die mit möglichst wenig Einwirkung effizient arbeiten und ihnen vom Gesichtspunkt der retrieverspezifischen Jagd aus am besten gefallen.
    c)    Das Markieren (marking) zusammen mit raschem Aufnehmen (pick up) und schneller Rückkehr (return) sind die allerwichtigsten Merkmale der Retrieverarbeit. Bei der Aufnahme und Rückkehr mit dem Apport werden die Richter einen Hund, der sein Apport für eine Griffverbesserung hinlegt, nicht stark abwerten; dies darf jedoch nicht mit nachlässigem Apportieren verwechselt werden. Hunde mit guter Markierfähigkeit und Initiative sollten besser bewertet werden als solche, die auf ihren Apport dirigiert werden müssen.
    d)    Ein Hund, der einen ausscheidenden oder einen zu Null Punkten führenden Fehler begangen hat, kann nicht platziert werden.
    e)    Die Richter haben das Recht, Preise, Qualifikationen oder Platzierungen nicht zu vergeben, falls sie der Meinung sind, keiner der Konkurrenten hätte die entsprechende  Leistung gezeigt.
    f)    Die Übungen werden mit Punkten gerichtet.

5. Besondere Anweisungen
    a)    Zu Beginn eines WT müssen sich die Richter vergewissern, dass die Startnummern der Hunde mit der im Programm aufgeführten Nummer übereinstimmen.
    b)    Ein Retriever muss beim Schuss und während der gesamten Arbeit standruhig sein (steady) und nur auf Befehl apportieren. Wo immer möglich sollen alle Hunde in einem Standtreiben (drive) geprüft werden, in einem Walk-up (in einer Linie vorwärtsgehen, Hund frei-bei-Fuss) und im Wasser. Ein Hund muss ruhig frei-bei-Fuss gehen.
    c)    Während eines WT werden ausschließlich grüne Standard Dummys (500g) verwendet. Davon ausgenommen sind Launcher Dummys bei Verwendung eines Dummy Launchers.
    d)    Ein Schuss muss dem Werfen von Dummys immer vorausgehen. Der Schütze soll nicht mehr als ungefähr 35m vom Apport entfernt sein. Bei nicht sichtigen (Blind) Apports kann eine Schussabgabe erfolgen. Wenn immer möglich sollen Gewehre den Pistolen vorgezogen werden.
    e)    Ein WT sollte mindestens fünf Aufgaben beinhalten.
    f)    Die Länge eines Retrieves sollte 150 m nicht überschreiten.
    g)    Positive Punkte (Reihenfolge gemäß engl. Text): Kontrolle (control) - Abgabe (delivery) - Elan (drive) - natürliche Markier-Fähigkeit und retrieverspezifische Begabung, geschossenes Wild aufzuspüren (natural marking and gamefinding ability) - Nase (nose) - ruhiges Führen (quiet handling) - schnelles Aufnehmen (speed in gathering retrieve) - stilvolle Arbeitsweise (style)
    h)    Schwere Fehler (Reihenfolge gemäß engl. Text):  schlechte Lenkbarkeit (bad control) und/oder unnötige Störung des Geländes (and/or disturbing the ground unnecessarily) - schlechtes Bei-Fuss-Gehen (bad heeling) - schlechtes Markieren (bad marking) und/oder schlechte Erinnerungsfähigkeit (and/or bad memory) des Fallortes – übermässige Abhängigkeit vom Führer (being overdependent on the handler) – unruhiges Verhalten an Ort, sodass der Hundeführer dem Hund zuviel Aufmerksamkeit schenken muss (being restless and asking the handler's attention at the post) – laute Einwirkungen (noisy handling) - nachlässiges Apportieren (sloppy retrieving) - langsames Arbeiten und/oder mit wenig Initiative (working slowly and/or without much initiative)
    i)    Fehler,  die mit NULL Punkten bewertet  werden  (Reihenfolge gemäß engl. Text):  Hetzen (chasing) - Weitersuchen mit Dummy im Fang (hunting with dummy in mouth) - Austauschen des Apports (changing retrieves) - Verweigerung, Wasser anzunehmen (failing to enter water) – Verweigerung oder Versagen zu Apportieren (failing to retrieve) – Schuss-Scheue (gunshyness) - ausser Kontrolle geraten (out of control) - Einspringen (running in) - Winseln (whining) - Bellen (barking).
Im Falle einer Nullrunde (= 0 Punkte in einer Aufgabe), darf das Gespann auf Wunsch die restlichen Prüfungsaufgaben zu Ende machen.
    a)    Ausscheidende Fehler (Reihenfolge gemäß engl. Text): aggressives Verhalten (aggressive behaviour) - hartes Maul (hard mouth) - körperlicher Kontakt mit dem Hund (physical punishment of the dog).
Im Falle eines ausscheidenden Fehlers darf das Gespann die Prüfung nicht      mehr beenden.

Dieser Leitfaden wurde durch den FCI-Vorstand in Amsterdam, März 2007,  angenommen.
Er ist vom 1. Juli 2007 an gültig. Der verbindliche Text ist die Originalfassung in Englisch.